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Dienstag, 2. Mai 2017

Die schönste Bahnfahrt der Welt: Per Zug von Nuwara Eliya nach Ella


Gestern nahmen wir den Zug! Bei unseren Vorbereitungen stießen wir immer wieder auf den Hinweis, dass die Strecke zwischen Nuwara Eliya (sprich: Nu-relia) und Ella die schönste überhaupt sei. Das mussten wir doch überprüfen 😊

Kurz vor 9 Uhr früh verließen wir unser Hotel in Nuwara Eliya. Wir hatten am Abend vorher einen Transport nach dem ca. 10 km entfernten Nanu Oya bestellt, dort liegt nämlich der Bahnhof. Die Fahrt sollte 900 Rupien kosten. Am Morgen stellte sich dann heraus, dass ein Paar aus Frankreich, das wir beim Frühstück trafen, ebenfalls nach Nanu Oya wollte. So teilten wir die Fahrt und damit reduzierte sich der Fahrpreis pro Paar auf 500 Rupien.

Die Zugtickets hatten wir bereits in Kandy besorgt. Wir reisten 1. Klasse im Observation Saloon und zahlten 1000 Rupien pro Person. Das Paar aus Frankreich hatte noch keine Tickets. Sie konnten aber noch welche bekommen - 3. Klasse, Stehplatz, für eine 4stündige Fahrt. Dafür haben sie wahrscheinlich wesentlich weniger für das Ticket bezahlt.


Der Zug fuhr pünktlich um 09:30 Uhr ab.

Alle einsteigen, bitte.
Die Fahrkarten, bitte.
Gleich der erste Streckenabschnitt führte durch eine wirklich schöne Landschaft. Teeplantagen soweit das Auge reichte!



An mehreren Bahnhöfen stiegen Händler zu, die Essen verkauften.


Wir passierten auch einen Wasserfall und eine Bewässerungsanlage.



Auf der Strecke gibt es auch jede Menge Tunnel und Brücken.



Unsere Mitreisenden waren nicht nur Touristen, auch viele Einheimische nahmen den Zug.


Gegenverkehr mit musikalischer Untermalung
Unterwegs hielt der Zug an mehreren Bahnhöfen, einer malerischer als der andere: Nach Nanu Oya in Perakumpura, dann in Ambewela (Aufenthalt 20 Minuten). Weiter ging es nach Pattipola und Ohiya (hier wurde hin und her rangiert und der Aufenthalt dauerte ca. 30 Minuten). 




In und um Idalgashina wurde es sehr nebelig - und damit sehr romantisch.



Auch in Haputale warteten wir 20 Minuten, bevor es weiterging.

Ob jemand aussteigt und mit dem Tuk Tuk weiter will?
Betreten der Gleise verboten? Nicht in Sri Lanka.
Schließlich erreichten wir Diyatawala, danach dann Bandarawela (Aufenthalt wieder 20 Minuten).



Aber wir kamen nach 4 Stunden pünktlich in Ella an. Luftlinie beträgt die Entfernung zwischen Nuwara Eliya und Ella ca. 55 km, die Bahnstrecke ist etwa 120 km lang.


Fazit:  Wirklich eine wunderschöne Fahrt und ein Must Do bei jeder Sri Lanka Rundreise.

Und ein solches Foto ist ebenfalls ein Must Take
bei jeder Zugfahrt zwischen Nuwara Eliya und Ella!


PS: Ein Leser aus einem Sri Lanka Forum, bei dem ich Mitglied bin, Herr Eskay Wijawaratne, schrieb mir noch, dass diese Strecke viele Besonderheiten hat:

Die Gleise haben als Maße die sog. "Indian Gauge", das sind 5 ft und 6 inches bzw. 1,707 m Abstand. Pattipola ist der höchstgelegenste Bahnhof der Welt, der diesen Gleisabstand aufweist (1893 m ü.NN). 1,5 km von Pattipola entfernt ist der Summit Point (in Piduruthalagala, der gleichnamige Berg bringt es auf 2.524 m ü.NN), der weltweit höchste Punkt, der auf solchen Gleisen erreicht werden kann. Von dort aus sind es 8,9 km bis zum Bahnhof Idalgashinna und man fährt durch insgesamt 14 Tunnel. Es gibt auf der ganzen Welt keine höhere Tunnel-Konzentration! Wow!



Montag, 1. Mai 2017

Nuwara Eliya

Eine Sache, die wir über Nuwara Eliya (sprich: Nu-relia) im Vorfeld gehört hatten, stimmte: Es war ziemlich kühl dort oben in ca. 2000 m Höhe, speziell am Abend und am frühen Morgen. Da zeigte das Thermometer Tiefsttemperaturen von 16°. Mit einem Paar Socken und einer leichten Jacke, die wir extra für den Aufenthalt in Nuwara Eliya bzw. Ella eingepackt hatten, war das aber auszuhalten.

Aber ansonsten hat das Städtchen (30.000 Einwohner) nicht wirklich viel zu bieten. Zwar liest man überall, es sei so "very british" und die Umgebung herrlich, aber eigentlich ist Nuwara Eliya m.M.n. einfach nur provinziell und von "schöner" Landschaft ist in Nuwara Eliya und der unmittelbaren Umgebung nichts zu sehen, wohl aber auf der Fahrt von Kandy aus.

Links im Bild: Eine Baustelle
Hinzu kommt, dass hier derzeit gebaut wird, was das Zeug hält. Überall stehen Gerüste, es wird gehämmert, Betonmaschinen laufen, Vorarbeiter schreien Kommandos.

Street Life

Wir verbrachten eine Nacht in Nuwara Eliya, weil wir unbedingt die Zugfahrt nach Ella machen wollten und in Kandy konnten wir nur Tickets ab Nuwara Eliya nach Ella erstehen. Die Teilstrecke Kandy - Nuwara Eliya war komplett ausgebucht. 

Das Hotel, in dem wir wohnten, war nicht sehr schön, es roch muffig und die Einrichtung war abgewohnt (Glenfall Resort, 40 Euro die Nacht, definitiv überteuert und definitiv mit irreführenden Bewertungen in den diversen Portalen). Wenigstens lag es einigermaßen zentral.

Wir absolvierten das Pflichtprogramm im Schweinsgalopp: Pferderennbahn, Victoria Park, die alte Post, ein paar Kolonialbauten. Die Atmosphäre der Stadt sprach uns einfach nicht an.

Von unserem Hotel aus waren es nur ein paar Schritte bis zu diesem
zentralen Kreisverkehrspunkt.
Nach rechts ging es zur Pferderennbahn, geradeaus zum Victoria Park
und nach links ins Stadtzentrum.
Die Pferderennbahn in Nuwara Eliya ist in ganz Sri Lanka berühmt. Als wir
ankamen, war eine Rennwoche gerade vorüber, die Besucher aus dem ganzen
Land angelockt hatte.





Um ehrlich zu sein: Wir waren bei der Besichtigungstour, die man ohne Probleme in 2 Stunden zu Fuß erledigen kann, auch nur auf der Suche nach einem passablen Restaurant für ein anständiges Abendessen.

Leider wurden wir nicht fündig und beschlossen deshalb, ein Restaurant in unmittelbarer Nähe unseres Hotels aufzusuchen, das ganz witzig aussah: Das Restaurant Two ist in einem ausrangierten Bus untergebracht.

Je später es wurde, desto spürbarer kühlte es ab, deshalb wollten wir uns am Abend lange Wege ersparen.

Gott sei Dank (ich las später die Kritiken zum Restaurant Two und die waren nicht berauschend) empfahl uns dann die Dame an der Rezeption unseres Hotels ein indisches Restaurant, das nur einen Katzensprung von unserem Hotel entfernt stadtauswärts lag und das wir bei unserem Rundgang verpasst hatten, weil wir uns zur Stadt hin orientiert hatten.

Das Grand Indian gehört zu DEM Hotel am Platz, dem Grand Hotel. (Es gibt auch noch ein Grand Thai in der Anlage, aber wir gehen doch nicht thailändisch essen, wenn wir in Urlaub sind, das können wir schließlich zu Hause!)


Die Qualität des Essens ließ nichts zu wünschen übrig und der Rotwein, den wir ausgesucht hatten, war sehr gut. Für 7.200 Rupien incl. Getränke aßen wir Tikka Chicken vorweg, Papadams und Chutneys gab es als Gruß aus der Küche, Chang hatte als Hauptgericht Butter Chicken und Plain Naan, ich bestellte mir ein nicht-vegetarisches Tali.



Ein gelungener Abend. Wir genoßen es richtig, endlich mal wieder ein Glas Wein zum Essen zu trinken. In (fast) allen Restaurants, die wir auf unserer Reise bislang besucht hatten, gab es nämlich keinen Alkoholausschank.

Wir waren früh zurück im Hotel und ließen den Abend mit zwei Folgen von "Lost" ausklingen. Ja, ich weiß, uralt, aber wir haben es seinerzeit nicht geguckt und jetzt sind wir bei der 3. Staffel und wollen mehr davon 😉, deshalb haben wir uns für den Fall, dass wir im Urlaub Zeit und Muse finden, ein paar Folgen auf einen Stick gepackt.


Unterwegs nach Nuwara Eliya: Teeplantagen und Wasserfälle

Gestern haben wir den nächsten Streckenabschnitt bewältigt: Von Kandy aus fuhren wir mit einem privaten Fahrer nach Nuwara Eliya (sprich: Nu-relia). Dafür zahlten wir 6000 Rupien.

Kaum hatten wir die Stadt verlassen, verwandelte sich die Landschaft. Rechts und links der Straße erstreckten sich Teeplantagen. So ein schöner Anblick! Ich finde diese unterschiedlichen Grüntöne einfach faszinierend.



Beim ersten Halt näherten sich gleich drei lächelnde Frauen, offensichtlich Teepflückerinnen. Da dachte ich ja noch, die Damen seien einfach nur freundlich, als sie mir die Teeblätter entgegenhielten und mich zum Fotografieren ermunterten. Schnell begriff ich, dass sie sich ihre Freundlichkeit bezahlen lassen wollten und von da an habe ich es vermieden, derartige Fotos zu machen.


Vor dem Romboda-Wasserfall machten wir einen Foto-Stopp und staunten über die Landschaft und die herrliche Aussicht auf die Fälle.


Und gleich danach staunten wir noch mehr, als wir ein paar Kilometer weiter anhielten, um zum Wasserfall hinunterzusteigen.


Ich finde, dass die Agapanthe eine faszinierende Blume ist. Man findet
sie überall in Sri Lanka.
Nach dem Wasserfall änderte sich auch die Landschaft. Von nun an ging es in Haarnadelkurven steil bergauf. Und es wurde deutlich kühler! An der viel befahrenen Strecke gab es jede Menge Verkaufsstände, an denen u.a. Blumen (Dalien!) und Erdbeeren (!) angeboten wurden.

Kurz danach machten wir halt bei einer Teefabrik, Mackwoods Labookellie Tea Factory. Natürlich machten wir eine Führung mit, um alles über die Herstellung von Tee zu erfahren. Die Führung ist übrigens kostenlos.

Lächeln für die Kamera
Die kaputten Buchstaben im Hintergrund sind keine Vernachlässigung:
Vor kurzem hat der Besitzer gewechselt, der alte Name, der in der Plantage
in großen Lettern stand, wird derzeit entfernt.
Der Ertrag eines Teestrauchs liegt im Schnitt bei 7,5 kg pro Jahr. Es werden nur die hellgrünen Blättchen gepflückt. Die dunkelgrünen werden zu Kompost.


Nach dem Pflücken müssen die Blätter welken (ca. 24 Stunden), dabei verlieren sie etwa die Hälfte des ursprünglichen Gewichts, weil sie Feuchtigkeit abgeben.


Dann werden die Teeblätter gerollt (ca. 30 Minuten), d.h. zerbrochen, damit ätherische Öle freigesetzt werden.


Anschließend werden sie gesiebt bzw. nach Qualität sortiert.  

Es folgt die Oxidation bzw. Fermentation, die die kritischste Phase ist. Bei einer künstlich erzeugten Luftfeuchtigkeit und einer Temperatur von 22° wird den Blättern wieder Feuchtigkeit zugeführt, damit der chemische Prozess in Gang gesetzt wird. Hier in Labookellie geschieht dies auf Eichenbalken.

Bei der Oxidation entsteht Wärme. Deshalb wird die Temperatur bei diesem Prozess kontinuierlich gemessen. Bei genau 29° setzt die Trocknung ein. Wird dieser Zeitpunkt verpasst, verliert der Tee sein Aroma. Die Trocknung dauert ca. 20 Minuten und findet bei 90° statt.


Anschließend findet das Grading statt, die Einstufung nach Qualität. In Labookellie werden insgesamt 15 Qualtitätsstufen hergestellt.


OP = Orange Pekoe ist die höchst Qualitätsstufe, Dust = Staub ist die
niedrigste. Dust ist der Inhalt der Teebeutel.
Nachdem eine stichprobenhafte Verkostung stattgefunden hat, wird der Tee in Säcke verpackt und nach Colombo versandt.




Dort wird er im Rahmen einer Auktion an die Teeproduzenten versteigert.

Nach soviel Theorie war es Zeit, auch mal einen Tasse Tee zu trinken.


Das kann man hier kostenlos tun, nur wenn man ein Stück von dem leckeren Schokoladenkuchen zum Tee möchte, schlägt das mit 50 Rupien zu Buche. Natürlich kann man hier auch Tee kaufen!

Bevor wir weiterfuhren, gaben wir der netten Dame, die uns durch die Teefabrik geführt hatte, noch ein Trinkgeld. Dann setzten wir unseren Weg in Richtung Nuwara Eliya fort, wir trafen dort gegen 15 Uhr ein. Hier mehr dazu.



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